Die Entlarvung der zwei großen Mythen der E-Mobilität

16. August 2019 - 8 minutes read

Hier werden die zwei wichtigsten Mythen gegen Elektroautos entkräftet, um eindeutig aufzuzeigen, dass eine schnelle und umfassende Verkehrswende hin zur Elektromobilität nicht nur ökologische, sondern auch enorme wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Mythos I: Elektroautos sind schädlicher für das Klima als Fahrzeuge mit fossiler Antriebstechnik Wie mittlerweile durch etliche Studien nachgewiesen, sind Elektroautos schon heute […]Hier werden die zwei wichtigsten Mythen gegen Elektroautos entkräftet, um eindeutig aufzuzeigen, dass eine schnelle und umfassende Verkehrswende hin zur Elektromobilität nicht nur ökologische, sondern auch enorme wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.
Mythos I: Elektroautos sind schädlicher für das Klima als Fahrzeuge mit fossiler Antriebstechnik
Wie mittlerweile durch etliche Studien nachgewiesen, sind Elektroautos schon heute emissionsärmer als Fahrzeuge, die durch fossile Kraftstoffe angetrieben werden. Dennoch gibt es immer noch Stimmen, die der E-Mobilität den Klimavorteil absprechen.
Doch was steckt hinter dieser Behauptung? Eine derartige Verunsicherung wird vor allem durch Studien hervorgerufen, die die positive Ökobilanz von Elektroautos in Frage stellen. Da wäre zum Beispiel die diesjährige Studie von Hans-Werner Sinn, dem ehemaligen Präsidenten des Münchner ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (http://www.hanswernersinn.de/dcs/sd-2019-08-sinn-karl-buchal-motoren-2019-04-25_0.pdf). Laut dieser Studie belasten E-Autos das Klima um 11 bis 28 Prozent mehr als Dieselfahrzeuge. Unter dem Titel „Elektroautos kein Allheilmittel für den Klimaschutz“ wurde eben diese Botschaft der Studie in ganz Deutschland medial oftmals unhinterfragt übernommen und in der breiten Öffentlichkeit verbreitet.
Letztendlich haben Sinn und seine beiden Mitautoren bei ihrer Studie grobe wissenschaftliche Fehler gemacht. Laut Analyse der „Wirtschaftswoche“ haben die Studienautoren beim Dieselfahrzeug stets Best-Case-Szenarien angewendet, und dabei beim Elektroauto Worst-Case-Szenarien angesetzt. Auch von anderen Medien wurde die Studie inzwischen vielfach als unwissenschaftlich entlarvt, wie auch der „Spiegel“ berichtete (https://www.electrive.net/2019/04/20/experten-entlarven-elektroauto-studie-von-hans-werner-sinn-als-unwissenschaftliche-meinungsmache/; https://www.spiegel.de/auto/aktuell/e-auto-schlechtgerechnet-die-ifo-studie-zur-co2-bilanz-a-1263622.html).
Inzwischen hat selbst das Umweltministerium aufgezeigt, welch großen Umweltvorteil E-Autos schon heute haben. Unter dem Titel „Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?“ veröffentlichte das Ministerium Anfang dieses Jahres eine Studie, die klar aussagt, dass die CO2-Emissionen eines E-Autos (unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs) bereits im Jahr 2017 weit unter denen eines gleichwertigen Benzin- (27 Prozent) und Dieselfahrzeuges (-16 Prozent) liegen. (https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Verkehr/emob_klimabilanz_2017_bf.pdf)
In den nächsten Jahren werden sich diese Unterschiede noch wesentlich extremer darstellen, weswegen das Umweltministerium richtig folgert, dass der Klimavorteil von E-Autos mit jedem Jahr, in dem die Energiewende weiter voranschreitet, größer wird. Denn je größer der Anteil der Erneuerbaren Energien im deutschen Strommix, umso geringer die Emissionswerte von E-Autos, zusätzlich zu einer CO2-ärmeren Produktion von Batterien und einer Verwendung von alternativen Materialien, um beispielsweise Kobalt zu ersetzen.Besonders in Bezug auf die Herstellungsenergie gibt es bereits deutliche Verbesserungen, die energieintensive Herstellung von Batterien wird immer umweltfreundlicher. Tesla produziert zum Beispiel bereits Batterien und Karosserien in Fabriken, die mit Solarstrom beliefert werden (https://cleantechnica.com/2019/07/30/tesla-ramping-up-production-of-v3-solar-roof-tiles-to-1000-systems-week-by-end-of-2019/).
Nebenbei bemerkt ist es Fahrern von Elektroautos bereits heute möglich die Emissionen aus dem Strom auf null setzen, wenn sie selbst erzeugten oder vom Ökostromhändler eingekauften Ökostrom zum Laden nutzen. Genau das ist den FahrerInnen von fossilen Verbrennungsmotoren nicht möglich.
Mythos II: Elektromobilität ist wesentlich unwirtschaftlicher als fossile Mobilität
Aus Politik, Medien und von den großen Automobilherstellern hört man noch sehr oft, dass Elektroautos eben wesentlich teurer seien als zum Beispiel Benziner und dadurch die Möglichkeiten zum Ausbau der E-Mobilität stark eingeschränkt seien. Dabei sind Elektroautos schon heute nicht nur deutlich umweltfreundlicher, sondern zukünftig auch wesentlich wirtschaftlicher als jegliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Dies ergab zuletzt eine Analyse der französischen Bank BNP Paribas, die in ihrer Mobilitätsstudie davon ausgeht, dass es für Erdöl unmöglich sei mit der Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien mitzuhalten, wenn man den gesamten Verwertungszyklus einbezieht. BNP rechnet damit, dass es 6,2 bis 7 Mal so viel kosten würde, wenn man die gleiche Mobilität an Stelle von erneuerbarer Antriebstechnik durch Benzin erreichen will.
Der Autor und Solarunternehmer Jeremy Leggett nannte die Studie einen bahnbrechenden Report, da sie den enormen wirtschaftlichen Vorteil von Solar- und Windenergie gegenüber fossilen Antriebsstoffen zeigt (https://jeremyleggett.net/2019/08/05/a-groundbreaking-report-out-today-shows-huge-capital-efficiency-advantage-of-solar-and-wind-over-oil/). Die Analyse betrachtet den Zeitraum der nächsten 25 Jahre und stellt dabei fest, dass der Preis für Erdöl bei unter 10 Dollar und der Preis für Diesel bei 17-19 US-Dollar pro Barrel liegen müsste, um wettbewerbsfähig zu sein. Aktuell kostet ein Barrel Erdöl etwa 55 US-Dollar.
Sowohl Erdöl-Riesen wie Shell und Exxon, als auch die staatlichen Erdöl-Unternehmen führen lediglich einen Wettlauf mit der Zeit, denn die Vorteile der erneuerbaren Energien gepaart mit E-Mobilität sind eindeutig und nehmen stetig zu. Dies hat weitreichende Konsequenzen, nicht nur für unsere Politik und die großen Ölkonzerne, sondern auch für Automobilkonzerne, die die Verkehrswende vernachlässigen oder ganz verschlafen.
Es sind unter anderem Nachrichten und Analysen wie diese, die die Energiewende weiter und vor allem schneller voranbringen. Denn dass die fossile Industrie unseren Planeten vergiftet und das Klima erhitzt, ist schon lange bekannt – ohne, dass eine Veränderung eingetreten ist. Wenn jedoch der wirtschaftliche Vorteil klar ersichtlich auf Seiten der erneuerbaren Energien ist, gehen auch den letzten Befürwortern der fossilen Industrie die Argumente aus. Nun fehlt es einzig und allein an politischem Willen, genau diese Vorteile auszunutzen, auszubauen und gleichzeitig das Klima zu schützen, anstatt sich weiter dem gefährlichen Einfluss der fossilen Industrie hinzugeben.
Elektroautos sind schon heute besser als Fahrzeuge, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Und sie bewegen sich immer schneller in Richtung Nullemissionen, was fossile Fahrzeuge nie schaffen werden.
— Der Autor Hans-Josef Fell saß für die Grünen von 1998 bis 2013 im Deutschen Bundestag. Der Energieexperte war im Jahr 2000 Mitautor des EEG. Nun ist er Präsident der Energy Watch Group (EWG). Mehr zu seiner Arbeit finden Sie unter www.hans-josef-fell.de. —
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Quelle: PV-Magazin
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