Bundesnetzagentur stutzt Ausbauvorschläge der Netzbetreiber

6. August 2019 - 3 minutes read

Die Behörde hält nur 96 der 164 vorgeschlagenen Maßnahmen für notwendig. Eine vierte Stromautobahn soll aber kommen – jedoch nur bis Nordrhein-Westfalen verlaufen statt wie gefordert bis Baden-Württemberg.Die Bundesnetzagentur hat jetzt ihre Prüfung des Netzentwicklungsplan (NEP) Strom 2019-2030 abgeschlossen, den die vier Übertragungsnetzbetreiber im April vorgelegt haben. Sie ist dabei zu einem Ergebnis gekommen, das den Unternehmen nicht gefallen dürfte: Ihrer Meinung nach sind Stand heute nur 96 der 164 vorgeschlagenen Maßnahmen erforderlich, um eine sichere Stromversorgung bis 2030 zu gewährleisten. Dabei bestätigt die Bonner Behörde die im Bundesbedarfsplan gesetzlich festgeschriebenen Projekte, weitere 56 kommen nun hinzu. Die Bundesnetzagentur betont, dass diese ihren Berechnungen zufolge auch bei einem vollständigen Kohleausstieg bis 2038 notwendig seien. Ihrer Kalkulation liegt das Ziel der Bundesregierung zu Grunde, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen.
Zu den notwendigen Maßnahmen zählt auch eine vierte Stromautobahn von Schleswig-Holstein in den Süden. Anders als von den Netzbetreibern vorgeschlagen soll die Gleichstrom-Leitung jedoch nicht bis Baden-Württemberg führen, sondern bereits in Nordrhein-Westfalen enden. Der genaue Verlauf der Trasse liegt noch nicht fest. Darüber hinaus müssen zusätzlich Wechselstrom-Verbindungen verstärkt oder neu errichtet werden, so die Bundesnetzagentur.
„Wir brauchen große Übertragungskapazitäten von Nord nach Süd, das ist unbestritten“, erklärt der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller. „Aber unnötige Trassen zu planen, ist weder energiepolitisch noch ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Wir können und wir sollten vielmehr die bestehenden Planungen optimieren. Dazu fordere ich die Übertragungsnetzbetreiber ausdrücklich auf.“ Vorstellbar und zielführend sei beispielsweise, SuedLink mit der neuen 525 kV-Technologie zu planen. Deren  Trasse wird von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg führen. „Alleine das würde die benötigte zusätzliche Kapazität für den Stromtransport aus dem Norden bringen“, so Untersteller.
Mit dem Stutzen der Vorschläge der Netzbetreiber werden die Kosten für den Netzausbau nun wohl niedriger ausfallen – wovon die Stromkunden unmittelbar profitieren werden. Die Netzbetreiber hatten in ihrem Entwurf noch Ausbaukosten in Höhe von insgesamt 61 Milliarden Euro genannt.
Mit der Veröffentlichung des neuen NEP haben Bürger die Gelegenheit, noch bis zum 16. Oktober 2019 Stellung zu den Plänen zu nehmen. Zudem organisiert die Bundesnetzagentur fünf Informationsveranstaltungen, um die Vorhaben mit Anwohnern, Verbänden und Lokalpolitiker zu diskutieren.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde nachträglich um das Statement von Franz Untersteller ergänzt.
Quelle: PV-Magazin
Link: Bundesnetzagentur stutzt Ausbauvorschläge der Netzbetreiber

Tags: