Strom-Monitoringbericht attestiert Deutschland hohe Versorgungssicherheit

3. Juli 2019 - 4 minutes read

Der Bericht der Bundesregierung stößt jedoch auch auf Kritik. Bemängelt werden unter anderem ein zu großes Vertrauen auf Stromimporte in Engpasssituationen sowie ein Verschleppen der Energiewende.Das Bundeswirtschaftsministerium hat am Mittwoch seinen „Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizität“ vorgelegt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zufolge zeigt der Bericht, „dass die Stromverbraucher in Deutschland auch beim weiteren Umbau unserer Energieversorgung sicher mit Elektrizität versorgt werden können.“ Im Internationalen Vergleich sei die Versorgungssicherheit in Deutschland weiterhin sehr hoch.
Eine wesentliche Grundlage des Monitoringberichts ist ein Gutachten der Beratungsunternehmen Consentec und R2B Energy Consulting, das untersucht, wie sich der Strommarkt und die verfügbaren Kraftwerke bis 2030 entwickeln. Demnach kann die Stromnachfrage in Deutschland in allen untersuchten Szenarien bis 2030 zu 100 Prozent gedeckt werden. Dies gelte auch bei einem verstärkten Rückgang der Kohleverstromung, um das Klimaschutzziel der Energiewirtschaft für 2030 zu erreichen. Das europäische Stromversorgungssystem weise weiterhin deutliche Überkapazitäten auf. „Konventionelle Kraftwerke im Umfang von 80 bis 90 Gigawatt können bis 2030 nach und nach reduziert werden, ohne dass das Niveau der Versorgungssicherheit im europäischen Stromsystem beeinträchtigt wird“, so ein Ergebnis des Gutachtens. Außerdem: „Länderübergreifende Ausgleichseffekte bei der Einspeisung erneuerbarer Energien, dem Stromverbrauch und der Verfügbarkeiten von Kraftwerken helfen, die Verbraucher in Europa zu geringeren Kosten mit Strom zu versorgen. Diese Ausgleichseffekte belaufen sich auf rund 50 bis 60 Gigawatt in 2030. Wenn jedes Land für sich alleine sein Stromsystem aufbauen würde, müssten mehr als 50 bis 60 Gigawatt an konventionellen Kraftwerken zusätzlich errichtet werden.“
„Der Monitoringbericht zeigt erneut, dass die Bundesregierung zur Absicherung der hohen Versorgungssicherheit künftig zunehmend auch auf den Import von Strom setzt“, sagt BDEW-Chef Stefan Kapferer: „Wir sollten uns jedoch nicht darauf verlassen, dass wir künftig in bestimmten Zeiten hoher Stromnachfrage immer Strom aus anderen EU-Ländern importieren können.“ Kapferer weist darauf hin, dass zum einen fast überall in Europa gesicherte Stromerzeugungskapazitäten vom Netz genommen werden sollen und zum anderen die Zeiten mit hoher Stromnachfrage in Mitteleuropa nahezu deckungsgleich sind. „Es wäre daher zu riskant, wenn sich Deutschland zum Beispiel in einer Winter-Dunkelflaute allein auf Stromimporte verlassen würde“, so Kapferer: „Wir werden in Deutschland auch neue Erzeugungskapazitäten auf Basis von Gas brauchen.“
Aus Sicht von Ingrid Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, entlarvt der Monitoringbericht die Untätigkeit der Bundesregierung beim Umbau des Energiesystems. „Dabei ist er vor allem ein Armutszeugnis für diejenigen Stimmen in der Union, die mit Verweis auf die Versorgungssicherheit seit Jahren versuchen, die Energiewende in Deutschland zu torpedieren“, so Nestle: „Die Bundesregierung gefährdet mit ihrer Lethargie die deutsche Stromversorgung. Das ist unverantwortlich.“ Entscheidend für den Erfolg der Energiewende und das Erreichen der Klimaziele sei nun ein Neustart beim Ausbau erneuerbarer Energien und eine Verstetigung beim grenzüberschreitenden Ausbau der Stromleitungen. Denn für eine europäische Energiewende sei Deutschland als Stromdrehschreibe unverzichtbar.
Quelle: PV-Magazin
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