Nachfolgegesellschaft von Caterva meldet Insolvenz an

24. Juni 2019 - 8 minutes read

Der schwedische Batteriehersteller Alelion hatte Caterva im April 2018 aus der Insolvenz für gut 1,3 Millionen Euro gekauft. Nun ließ er seine deutsche Tochter pleitegehen und lässt viele ratlose Caterva-Kunden ratlos zurück und auf teilweise wertlosen Produkten sitzen. Fenecon könnte zumindest ein Teil der Speicher wieder nutzbar machen.Die Batteriespeicher von Caterva galten einst als äußerst fortschrittlich. Früh begann das Unternehmen die Batterien über eine eigens entwickelte Steuerung zu einem Großspeicher zu vernetzen, um damit innovative neue Dienstleistungen anbieten zu können. Das Be- und Entladen der Speicher erfolgte dafür zentral über den Hauptsitz in Pullach.
Ende 2017 kam der erste Schrecken: Caterva musste einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen. Zu diesem Zeitpunkt wollte sich der mit 49 Prozent beteiligte Siemens-Konzern zurückziehen und die Verluste nicht weiter ausgleichen. Ursprünglich war Caterva als Spin-off von Siemens 2013 gegründet worden.
Im April 2018 übernahm dann der schwedische Batteriebauer Alelion Caterva aus der Insolvenz. Umgerechnet etwas mehr als 1,3 Millionen Euro zahlte er für das gesamte Patentportfolio von Caterva. Nur gut ein Jahr später ist auch diese Episode wieder vorbei. Die Alelion Energy Systems GmbH, die deutsche Tochter des schwedischen Unternehmens, hat Mitte Mai beim Amtsgericht München Insolvenz anmelden.
Die Leidtragenden sind vor allem die Kunden, die sich in den vergangenen Jahren einen Caterva-Speicher zugelegt hatten oder das Produkt vertrieben. Sie sitzen nun auf teilweise unbrauchbaren Geräten oder haben noch hohe Forderungen, da sie für den Verkauf der Systeme in Vorleistung gegangen sind. Zunächst hatte Alelion das „Freistrom“-Angebot von Caterva weitergeführt und es mit dem neuen Namen „Nima“ getauft. Doch auch das soll nicht wirklich lange gewesen sein, wie ein Insider pv magazine nun berichtete. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es dann immer mehr Anzeichen, dass das schwedische Unternehmen, das eigentlich nicht auf Heimspeicher spezialisiert ist, plant, seine deutsche Tochtergesellschaft in die Insolvenz zu schicken und damit das Kapital „Caterva“ endgültig zu den Akten zu legen.
Zunächst sei der Vertrieb des Freistrom-Produktes „Nima“ eingestellt worden. Ende April veröffentlichte die Muttergesellschaft Alelion Energy Systems AB dann eine Mitteilung – allerdings ausschließlich in Schwedisch – in der sie angekündigt, „in naher Zukunft einen Antrag auf Insolvenz seiner deutschen Tochtergesellschaft zu stellen und alle Entwicklungsaktivitäten für Softwaresysteme für intelligentes Energiemanagement auf Schweden zu konzentrieren“. Vordergründig, um die eigenen Kosten zu senken. „Der private Markt war für uns nie ein vorrangiger Markt, und da das Geschäft auch Verluste verursacht, haben wir beschlossen, es mit sofortiger Wirkung zu schließen“, begründete damals Daniel Troedsson, CEO von Alelion Energy Systems, die Entscheidung.
Die Aktivitäten im Energiemanagement sollen nach Göteburg verlagert werden. Nach dem Erwerb von Caterva hatte Atelion das intelligente Softwaresystem zur Optimierung der Nutzung von Batteriespeichern entwickelt – Alelion Intelligent Energy Systems (AIES). Dafür erhielt das schwedische Unternehmen nach eigenen Angaben erst kürzlich ein Darlehen über 1,8 Millionen Euro von KIC Innoenergy SE für die Weiterentwicklung.
Ein betroffener Käufer eines Caterva-Speichers fasst die Ankündigung von Alelion in einem Schreiben an die bayerische Staatskanzlei, das pv magazine vorliegt, wie folgt zusammen: „Wir [bei Alelion, Anm. der Red.] haben die Rechte und Patente, der Rest kann über die Klinge springen.“ Nach mehreren Einschätzungen sind rund 200 Endverbraucher von der neuerlichen Insolvenz betroffen. Ihnen drohe nun der wirtschaftliche Totalschaden. Jeder habe einen Speicher von Caterva für 27.500 Euro gekauft, was in Summe einen Millionenbetrag ergebe.
Einen Ausweg, zumindest für Besitzer eines bestimmten 10-Kilowatt-Speicher-Modell von Caterva, das orginär von Fenecon stammt,  kann Fenecon bieten. Hier sei die Umrüstung der eingebauten Steuerung durch das OpenEMS möglich. Das ist ein Betriebssystem, dass nun Open Source ist und ursprünglich von dem bayerischen Integrator entwickelt wurde. Damit könnten diese Geräte auch künftig für verschiedene Anwendungen genutzt werden, wie Fenecon-Geschäftsführer Franz-Josef Feilmeier auf Anfrage von pv magazine erklärte.
Schwieriger sei dies bei den 20-Kilowatt-Speichern von Caterva, die nicht von Fenecon stammten und einen Siemens-Wechselrichter integriert haben. Hier habe man in der OpenEMS-Community aufgerufen, eine Lösung – oder besser ein Geschäftsmodell – zu entwickeln. „Dabei bietet die Open-Source-Plattform den Vorteil, dass das auch gar nicht von uns kommen muss, sondern jeder im Prinzip einfach eine Linux-kompatible Hardware mit dem OpenEMS einsetzen kann und dann nur die Anbindung an das System und gegebenenfalls die eingesetzten Zähler machen braucht“, erklärt Feilmeier. Damit wären auch alle anderen Funktionen sofort wieder nutzbar.
Natürlich versuche Fenecon, die betroffenen Caterva-Kunden bestmöglich zu unterstützen, zugleich habe das bayerische Speicher-Unternehmen selbst noch offene Forderungen und sei von der Insolvenzanmeldung Alelions überrascht worden. Der Insolvenzverwalter habe mittlerweile aufgerufen, alle Forderungen zu melden. Dann bleibe nur zu hoffen, dass auch die schwedische Muttergesellschaft herangezogen werde, ihren Beitrag leisten werde, so Feilmeier weiter. Ehemalige Caterva-Mitarbeiter engagierten sich ebenfalls privat sehr stark für eine Lösung, die einen Weiterbetrieb der Speichersysteme ermögliche. Ein Knackpunkt ist allerdings, dass die Kunden die Speicher nicht nutzen könnten, bevor sie einen Schlüssel bekommen. Erst anschließend könne ein anderes Energiemanagement getestet und eingesetzt werden.
In München jedenfalls trafen sich am Wochenende rund 50 geschädigte Caterva-Kunden. Die Vorbereitung einer Sammelklage, wie von anderen Medien berichtetet, wollte ein Teilnehmer pv magazine zunächst nicht bestätigen. Er schloss allerdings auch nicht aus, zumal die rechtlichen Fragen noch geklärt werden müssten. Was die Betroffenen in erster Linie fordern, ist ihre Speicher für sie auch in Zukunft nutzbar zu machen. „Alelion hat meiner Ansicht nach, zumindest die moralische Pflicht für einen Umbau zu sorgen, dass die Speicher weiterhin – wenn auch ohne Vernetzung – nutzbar sind“, heißt es so auch in dem Schreiben an die bayerische Staatskanzlei. Und gemeinsam hoffen die Betroffenen, eine stärkere Stimme zu haben.
Quelle: PV-Magazin
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