CO2-Verpressung in der Nordsee? – X für U vormachen funktioniert nicht mehr!

31. Mai 2019 - 8 minutes read

Auf dem 10. “Petersberger Klimadialog” im Mai in Berlin bekannte Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass es auch 2050 noch CO2-Emissionen geben werde. Dafür wolle man “alternative Mechanismen finden, wie man das CO2 speichern oder kompensieren kann”. Kompensation wäre die Schaffung von CO2-Senken, zum Beispiel durch Aufforstung. Da in den Industrieländern die Möglichkeit hierfür begrenzt sei, müsse das “Klimakabinett” sich mit der CO2-Speicherung (CCS) befassen.Zwei Argumente haben die CCS-Protagonisten:

„Von dort, wo das Erdgas über Jahrmillionen sicher eingeschlossen war, kann auch CO2 nicht entweichen.“

Verschwiegen wird hierbei, dass sich die sogenannte „Deckschicht“ nicht mehr im Originalzustand befindet, nachdem sie durch die Erdgasförderung siebartig durchlöchert wurde.

„Schauen Sie doch mal in ihr Bierglas. Darin ist auch CO2. Sie trinken das, und es schadet Ihnen überhaupt nicht. Daran sehen Sie, dass CO2 ein völlig harmloser Stoff ist.“

Hierbei wird die Frage der Dosis, die für die Wirkung jeglicher Substanz ausschlaggebend ist, ausgeblendet, sowie, dass das aus den Rauchgasen von Kraftwerken abgeschiedene CO2 kein Lebensmittel-CO2 ist, sondern giftige Beimengungen enthält.
Dennoch war sich auch die promovierte Physikerin Angela Merkel nicht zu schade, dieses Argument der großen Öffentlichkeit zu übermitteln, mit dem einzigen Unterschied, dass sie das Bier durch Sprudelwasser ersetzte.
Heute lässt die gleiche Physikerin – die auch Bundeskanzlerin ist – verlauten, dass es auch nach 2050 noch CO2-Emissionen geben wird und empfiehlt, diese in den Nordsee-Boden zu verdrängen.
Demonstration in Berlin gegen die CO2-Verpressung. Foto: Christfried Lenz

Falls die Pläne der derzeitigen Noch-Regierung, die Kohle nicht durch erneuerbare Energien, sondern durch Erdgas zu ersetzen, realisiert werden, wird es diese Emissionen in der Tat geben. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ist eifrig dabei, so viel Erdgas zu akquirieren, wie nur möglich. Nicht nur aus Russland und USA, sondern zusätzlich aus dem Mittelmeer, wo nach neuem Wissensstand ein Drittel der weltweiten Vorkommen auf Ausbeutung wartet, will er Gas nach Europa lenken. Das Kalkül: Billigpreis aufgrund des Überangebots des Klimakillers soll die Erneuerbaren an den Rand drücken.
Die Noch-Regierung sieht ihre Aufgabe eben darin, Schaden nicht vom Volk, sondern von den Konzernen abzuwenden, und nach deren Geschmack ist die ganze Energiewende nun mal nicht. Auch wenn die ihrem Wesen nach dezentrale erneuerbare Energie durch weiträumige Übertragungstechnologie in ein zentralistisches Korsett gepresst wird, müssen die Konzerne befürchten, dass die Menschen dieses System einfach unterlaufen, indem sie auf ihren Dächern selber Strom erzeugen und auf das Angebot aus dem Netz pfeifen. Billigstrom und Wärme durch Erdgas-Kraftwerke könnte da die konzerndienliche Alternative sein. Doch das ist mit Emissionen verbunden, die den Klimawandel anheizen. So muss man in die Mottenkiste greifen und das CCS wieder hervorholen, das allerdings bereits beim Versuch, die Kohle „klimafreundlich“ zu machen, scheiterte.
Der erneute Versuch ist umso kläglicher: Auf dem Land den Menschen das CCS zu verkaufen, wagt man erst gar nicht. Man weicht von vornherein auf das Meer aus. Dort ist niemand direkt betroffen, und wer kann schon feststellen, wo überall etwas herausblubbert?
Das Institut Geomar merkt zu dem Vorhaben Merkels an: „In den letzten Jahrzehnten wurden … mehr als 10.000 Bohrungen in den Meeresboden der Nordsee niedergebracht, um Öl und Gas zu fördern. An vielen dieser Bohrlöcher tritt Methangas … aus, da die umgebenden Sedimente während des Bohrprozesses mechanisch gestört und geschwächt wurden. Kohlendioxid, das in der Nähe solcher Bohrlöcher gespeichert wird, könnte die Speicherformation ebenfalls verlassen, ins Meerwasser entweichen und schließlich in die Atmosphäre zurückkehren.“
Das Institut vermeidet eine totale Negativaussage: „Wir kommen daher vorläufig zu dem Schluss, dass es möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet“, so Professor Wallmann.
Die CO2-Verpressungsanlage in der Altmark ging nie in Betrieb und wurde im Dezember 2015 wieder abgebaut. Foto: Christfried Lenz

Dass es ein Gebiet ohne undichte Bohrlöcher gibt, wird also schon mal ausgeschlossen. Und was passiert an den „wenigen undichten Bohrlöchern“? Die Antwort kann den Lesern überlassen bleiben. Hinzuweisen ist vielleicht noch darauf, dass die poröse Formation, in die das CO2 gepresst wird, auch an ihren Seiten porös ist, so dass sich das CO2 seitlich über viele Kilometer ausbreitet. Ob es dabei bei „wenigen“ undichten Bohrlöchern bleibt??
Das „X für ein U vormachen“, das notwendig ist, um ein Handeln, dessen Motiv einzig die Profitmaximierung ist, als nützlich für die Bevölkerung darzustellen, liegt in seinen letzten Zügen. Dafür sorgt der Klimawandel, der nicht weggelogen werden kann, uns zu aufrichtigen Maßnahmen zwingt und somit einem ganz großen Zweck dient.
— Der Autor Christfried Lenz war unter anderem tätig als Organist, Musikwissenschaftler und Rundfunkautor. Politisiert in der 68er Studentenbewegung, wurde „Verbindung von Hand- und Kopfarbeit“ – also möglichst unmittelbare Umsetzung von Erkenntnissen in die Praxis – zu einer Leitlinie seines Wirkens. So versorgt er sich in seinem Haus in der Altmark (Sachsen-Anhalt) seit 2013 zu 100 Prozent mit dem Strom seiner PV-Inselanlage. Nach erfolgreicher Beendigung des Kampfes der BI „Kein CO2-Endlager Altmark“ engagiert er sich ganz für den Ausbau der Ereneuerbaren in der Region. Als Mitglied des Gründungsvorstands der aus der BI hervorgegangenen BürgerEnergieAltmark eG, wirkte er mit an der Realisierung einer 750 Kilowatt-Freiflächenanlage in Salzwedel. Lenz kommentiert das energiepolitische Geschehen in verschiedenen Medien und mobilisiert zu praktischen Aktionen für die Energiewende —
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Quelle: PV-Magazin
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