„Der Hauptfeind eines Projekts ohne Förderung ist eine gute Förderung“

27. Mai 2019 - 7 minutes read

Diese Aussage machte Jörg Ebel vom Bundesverband Solarwirtschaft am Rande der Intersolar Europe, wo das Deutsch-französische Büro für die Energiewende (DFBEW) eine Konferenz zur Entwicklung großer Photovoltaik-Anlagen in beiden Ländern organisierte. Akteure aus Wirtschaft und Politik waren dabei, um insbesondere neue Wirtschaftsmodelle ohne staatliche Förderung zu diskutieren.von pv magazine Frankreich
Nach Ansicht von Benedikt Ortmann, CEO der Baywa re Solar Projects GmbH, müssten zur Dekarbonisierung Deutschlands zwischen 2020 und 2040 jährlich 20 Gigawatt Photovoltaik neu installiert werden. Zur Realisierung dieser Kapazitäten müssten 350 Quadratkilometer an Flächen für Solarparks verwendet werden. Ist genügend Land zu finden, um dort Solarmodule zu installieren? Darüber hinaus, zu einem Zeitpunkt, da die ersten Verträge für Kraftwerke mit Einspeisevergütungen in Deutschland auslaufen. Gibt es weitere Wirtschaftsmodelle, die es ermöglichen, die Anlagen zu entwickeln und gleichzeitig ihre Rentabilität zu gewährleisten? Nachdem die Photovoltaik-Preise drastisch gesunken sind, sind hier einige Herausforderungen, die in Frankreich und Deutschland angegangen werden müssen. Mit all diesen Themen befasste sich eine Veranstaltung auf der The smarter E in München.
Vor einem überfüllten Raum, der das Interesse der Intersolar-Besucher am deutsch-französischen Thema bezeugt, fand diese Konferenz in drei Teilen statt: Erstens galt es, die in jedem Land geltenden Vorschriften für den Bau von Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen zu klären. Anschließend wurden die verschiedenen Geschäftsmodelle der Zukunft vorgestellt, und zuletzt gab es einen Runder Tisch mit privaten und öffentlichen Akteure, darunter Carla Vollmer (Umweltbundesamt), Benoît Roux (Baywa r.e. Frankreich), Jörg Ebel (IBC Solar und BSW-Solar-Vorstand), Christophe Thomas (Engie Green) und Damien Ricordeau (Finergreen).
Modelle für die Zukunft
Wie der deutsche Rechtsanwalt Michael Grabau von LPA München und die französische Rechtsanwältin Nelsie Bergès von BCTG Avocat zeigten, sind die Schritte und Bedingungen bei der Entwicklung eines solaren Großprojekts zahlreich und restriktiv. Sie unterscheiden sich von Land zu Land. Die zusammenfassende Darstellung dieser Schritte ist auf der Website des Deutsch-französische Büros für die Energiewende verfügbar. Ziel wäre es, diese Verfahren zu vereinfachen und städtebauliche Regeln zu entwickeln, um die gewünschten Photovoltaik-Zubauziele und damit die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.
Damien Ricordeau, Präsident der Finanzberatung Finergreen, wies in seinem Vortrag zu den verschiedenen Geschäftsmodellen (Einspeisevergütung (FIT), grüne Zertifikate, PPA, Stromhandel) deutlich darauf hin, dass die Akteure in Deutschland und Frankreich nach wie vor nicht sehr an den beiden Modellen der Zukunft interessiert sind: den Stromabnahmeverträgen (PPA), die seit 2013 vor allem in Nordeuropa explodieren, und dem Handelsmodell. Diese Modelle, die zeitlich und/oder mengenmäßig kombinierbar sind, sind besonders interessant, wenn der Preis pro Megawattstunde niedrig ist, wie dies in Mexiko derzeit der Fall ist. Aber Ricordeau zufolge gibt es bis 2022/2024 wenig Grund, PPA- und Handelsanlagen in Frankreich und Deutschland zu entwickeln, da Einspeisetarife eine attraktivere finanzielle Situation schaffen.
Diese PPAs sind jedoch bei Projekten interessant, die nicht für eine Ausschreibung in Frage kommen. Darüber hinaus sollte sich dieses Modell laut Christophe Thomas von Engie Green unaufhaltsam entwickeln, da Unternehmen in den USA und im Süden internationale PPAs aufbauen wollen.
Dass auf die Einspeisevergütung verzichtet werden kann, hat Baywa re mit dem Bau des 175-Megawatt-Kraftwerks „Don Rodrigo“ im spanischen Andalusien im Rahmen eines 15-jährigen PPA nachgewiesen. Die Größe ist der Hauptfaktor, der es ermöglicht hat, dieses Projekt zu realisieren. Ebenso kündigte das Photovoltaik-Unternehmen kürzlich an, dass es im Rahmen eines zweiten PPA eine Photovoltaik-Anlage mit neun Megawatt Leistung in Deutschland installieren wird. „Die ganze Frage sind die Kosten pro Kilowattstunde“, sagt Benoît Roux. In Deutschland war dieses Projekt auch deshalb machbar, weil es am Standort bereits vier Solarparks von Baywa gibt, die über die Einspeisevergütung gebaut und finanziert wurden. Die Anschluss- und Grundstückskosten werden dmit natürlich reduziert.
Die Schwierigkeiten in Zukunft
Problematisch ist das PPA-Modell jedoch, wenn es darum geht, von einer Bank Kredite für den Bau eines Kraftwerks zu erhalten, da diese lange und zuverlässige Verträge als Finanzierungsgrundlage bevorzugt. Außerdem, was passiert, wenn der Verbraucher in Konkurs geht?
Während des Runden Tisches wurde die Frage der Umweltbilanz angesprochen: Es ist natürlich notwendig, eine Studie über die Auswirkungen der Photovoltaik auf die Natur durchzuführen, aber der Bau von Kraftwerken kann zu einem Konflikt führen – also dem Kampf für das Klima oder die biologische Vielfalt. Wie können die beiden miteinander in Einklang gebracht werden? Während die Kraftwerksentwickler ihre Kreativität einsetzen – etwa indem sie Tiere trotz eines Zauns um das Kraftwerk herum passieren lassen -, ist die Regierung in Deutschland eher zögerlich oder langsam, ihre Vorschriften anzupassen.
Für den BSW-Solar ist es jedoch in Deutschland neben den administrativen Schwierigkeiten das größte Problem, dass die Bürger die Projekte akzeptieren. Auch wenn sie dem Ausbau der erneuerbaren Energien grundsätzlich zustimmen, sind viele nicht begeistert von der Idee, Nachbarn einer Photovoltaik-Anlage zu werden. Die Akzeptanz der Bürger ist daher auch eine Bremse, auf die Projektentwickler treffen.
Quelle: PV-Magazin
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