33 Jahre nach Tschernobyl: Ukraine investiert weiter in Atomkraft

25. April 2019 - 2 minutes read

Greenpeace Energy kritisiert die Pläne der ukrainischen Regierung, die Rohbauten zweier Reaktoren aus den 1980er-Jahren am Standort Chmelnizkij zu vollenden und bis 2026 in Betrieb zu nehmen.Am 26. April 1986 ereignete sich der Reaktorunfall von Tschernobyl. Vor diesem Hintergrund macht Greenpeace Energy auf die Pläne der ukrainischen Regierung aufmerksam, bis 2026 am Standort Chmelnizkij – rund 200 Kilometer östlich der Grenze zu Polen und etwa 600 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt – zwei weitere Atomkraftwerke in Betrieb zu nehmen. Dabei handelt es sich dem Ökostromanbieter zufolge um die Rohbauten von zwei Reaktoren aus den 1980er-Jahren, über die 1990 ein Baustopp verhängt worden sei. „Hier wird ein sicherheitstechnisch fragwürdiges AKW für den EU-Export fit gemacht, um aus uralten Teilbauten aus Sowjetzeiten neue Reaktoren entstehen zu lassen“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy. Auch die beiden anderen Meiler, die am Standort Chmelnizkij bereits in Betrieb seien, hätten mehr als 30 Betriebsjahre hinter sich und seien sicherheitstechnisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand.
Greenpeace Energy fordert ein Mitspracherecht der europäischen Nachbarstaaten im Genehmigungsverfahren für das ukrainische Atomprojekt. Das müsse die deutsche Bundesregierung jetzt gegenüber der Ukraine einfordern. Der Ökostromanbieter weist darauf hin, dass in Österreich eine solche Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung zu den Reaktorbauten in Chmelnizkij bereits stattfinde. Ob und wann in Deutschland eine offizielle Beteiligung an dem Verfahren vorgesehen sei, sei bisher unklar.
Kritisch sieht Greenpeace Energy zudem, dass neben dem Export des Atomstroms in das EU-Nachbarland Polen und dem Bau einer dafür notwendigen Stromtrasse auch eine finanzielle Beteiligung der Europäischen Union für das Projekt im Gespräch sei. Die neue EU-Kommission müsse nach der Europawahl Ende Mai eine klare Haltung zeigen und dürfe das umstrittene AKW-Projekt nicht weiter unterstützen. Statt dessen müsse sie mit dem neuen ukrainischen Präsidenten Wege für eine moderne Energiepartnerschaft ebnen, die auf die Fertigstellung alter Sowjet-Reaktoren verzichte.
Quelle: PV-Magazin
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