Speicher-Highlights Platz 1: Stationäre Speicher von Ads-Tec bringen Elektromobilität voran

8. März 2019 - 10 minutes read

pv magazine hat gemeinsam mit der Messe Düsseldorf im Vorfeld der Energy Storage Europe eine Sonderausgabe produziert und eine unabhängige Jury damit betraut, die eingereichten Messehighlights zu bewerten. Die Glückwünsche zum ersten Platz gehen an Ads-Tec. Das Unternehmen überzeugte die Jury mit einem Speicher, der Schnellladungen von Elektroautos auch in schwach ausgebauten Netzgebieten um den Faktor 16 beschleunigen kann.Das Stromnetz ist nicht so gut ausgebaut, dass Besitzer von Elektroautos überall schnell laden können. Der „HPC Booster“ beschleunigt den Vorgang um bis zu Faktor 16. Ads-Tec überzeugte damit die Jury. Das System belegt Platz eins unseres Energy Storage Highlight Rankings 2019. Zuvor erschienen bereits die Vorstellungen von Platz 2, ein Speicherregelkraftwerk, das mit Windenergie betrieben wird, und Platz 3, ein Open-Source Betriebs- und Energiemanagementsystem für Batteriespeicher. Das gesamte Ranking können Sie in unserer Sonderausgabe energy + storage zur Energy Storage Europe in Düsseldorf, vom 12. bis 14. März, nachlesen.
Die Top 5 Speicher-Highlights stellen sich vorAm zweiten Messetag der Energy Storage Europe in Düsseldorf, am 13. März von 10:00 bis 11:10 Uhr, pitchen die Teilnehmer des pv magazine energy storage Highlight-Rankings ihre Konzepte und Produkte auf dem Messeforum in Halle 8b, gefolgt von jeweils einer Diskussion. Für Besucher der Messe ist die Veranstaltung kostenlos.
Dort können Sie auch Thomas Speidel treffen. Er ist Geschäftsführer von Ads-Tec und wird die Speicherlösung nicht nur auf der Veranstaltung erläutern, sondern auch am Messestand Halle 8b / E18 zeigen.
Die Batterie eines Porsche-Elektroautos hat eine Kapazität von rund 100 Kilowattstunden. Ein typischer Niederspannungs-Netzanschlusspunkt kann bei 32 Ampere beispielsweise 20 Kilowatt an Leistung liefern. Es dauert also zweieinhalb Stunden, um die Autobatterie auch nur halb zu laden. Dabei ist der Porsche das erste Auto, das sich „Hochvolt“ bei 800 Volt mit 320 Kilowatt Leistung laden lässt, wenn das Ladesystem das hinbekommt. Bei dieser Ladeleistung wäre die Batterie in nur zehn Minuten halb geladen oder 16 mal so schnell.
Ads-Tec hat daher ein Ladesystem mit dem Namen „HPC-Booster“ entwickelt, das diese Ladeleistung mit Hilfe eines Batteriespeichers von 140 Kilowattstunden erreicht und zwar auch an Netzpunkten ohne Hochleistungsanschluss. Der Speicher wird kontinuierlich aus dem Netz geladen und lässt sich dann bei Bedarf schnell in die Autobatterie entladen. Mit dem Produkt setzt sich das Unternehmen im pv magazine storage highlight Ranking auf den ersten Platz.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist nach Aussage von Ads-Tec-Geschäftsführer Thomas Speidel, dass das System nur 1,2 mal 1,2 Meter Grundfläche hat. „Dadurch kann man es auch in Städten installieren, in denen wenig Platz ist“, sagt er. Vielerorts fehle im eng bebauten Raum oder in Wohnanlagen schlicht der Platz für mehr Netzausbau. Besonders profitieren würden von der Schnellladung beispielsweise rein elektrische Logistikfahrzeuge, die künftig im Verteillieferverkehr in den Städten emissionsfrei unterwegs sein werden, führt Speidel an. Diese hätten vielleicht 100 bis 150 Kilometer Reichweite und benötigten solch eine Infrastruktur.
Ads-Tec kann das Speichersystem unter anderem deshalb so klein bauen, weil das Unternehmen Halbleiter aus Siliziumkarbid nutzt. Dafür wurden Schaltungen gemeinsam mit dem Fraunhofer ISE entwickelt, die hohe Schaltfrequenzen umsetzen können.
Anziehungspunkt oder Tempozuschlag
Grundsätzlich gibt es für das Produkt zwei mögliche Geschäftsmodelle.  Das erste entspricht der Anschaffung eines Aufzugs. Den baut man, um Kunden überhaupt zu bekommen. So könnte eine kleine Gemeinde solch einen schnellen Elektroladepunkt errichten, damit Kunden dort überhaupt bereit sind, in den Ort zu kommen. Zum zweiten ist ein Geschäftsmodell denkbar, bei dem Nutzer die hohe Ladeleistung mit einem Aufschlag zum üblichen Strompreis pro Kilowattstunde Ladestrom bezahlen.
Das Unternehmen verrät diese Zusatzkosten und den Preis solcher Systeme zwar nicht der Öffentlichkeit, aber er lässt sich grob abschätzen. Hält eine Batterie 4000 Zyklen und kostet sie 500 Euro pro Kilowattstunde, liegen die Zusatzkosten für das Schnellladen ungefähr zwischen 5 und 12 Cent pro Kilowattstunde Ladestrom. Der Booster kann zusätzlich Netzdienstleistungen erbringen, die zur Refinanzierung beitragen. Außerdem gebe es Baukostenzuschüsse, die diese Kosten senken, gibt das Unternehmen zu bedenken.
Die Juroren hat das Konzept überzeugt, allerdings haben sie auch kritisch eingewendet, dass solch eine Batterie zur Ladeunterstützung ja nur dann hilft, wenn nicht stetig Autos nacheinander und ohne Pause an diesem Ladepunkt geladen werden sollen. Denn die Batterie braucht ja auch Nachladezeit. Speidel stimmt zu, lässt das Argument jedoch nicht pauschal gelten. Es werde immer Stellen geben, an denen nicht durchgehend ein Auto nach dem anderen geladen werden soll. Grundsätzlich sei genug Energie vorhanden, um Autos zu laden. Sie sei nur nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar. Dem lasse sich mit dem Booster abhelfen.
Kommentare der Jury
Mark Higgins: „Es ist wichtig, die Bereitstellung von Schnellladeinfrastrukturen zu beschleunigen, indem man das Problem mithilfe von Batteriespeichern löst.“
Florian Mayr: „Ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der anfänglichen Hürden bei der breiteren Elektrifizierung der Mobilität. Das Erfolgspotential ist jedoch begrenzt. Die Nachfrage muss hoch genug sein, um die Investition ausreichend auszulasten, aber die Auslastung muss noch niedrig genug sein, um die Batterie aufladen zu können. Am Ende muss man die Kosten dieser Lösung mit den Kosten und der lokalen Verfügbarkeit anderer Lösungen, wie dem Netzausbau, vergleichen.“
Logan Goldie-Scott: „Ein Batteriespeicher kann den Betreibern von Schnellladepunkten helfen, die wirtschaftlichen Unsicherheiten zu minimieren. Dazu gehören Netznutzungsgebühren und Kosten für Energiebezugszeiten, aber das ist sehr ortsabhängig.“

Die Jury:
Xavier Daval
Daval ist ein internationaler Solar- und Speicherexperte sowie Vorstandsvorsitzender des französischen solartechnischen Beratungsunternehmens kiloWattsol SAS, das er 2007 gegründet hat. Er ist Elektroingenieur und ehemaliger Direktor der Region EMEA für einen an der New Yorker Börse notierten Hersteller von Werkzeugen für die Elektronikindustrie. Er ist auch Vizepräsident des französischen Verbandes für erneuerbare Energien, Syndicat des Energies Renouvelables,  und dort Vorsitzender der Solarkommission und Direktor des Global Solar Council.

Logan Goldie-Scot

Goldie-Scot leitet das Energiespeicher-Insight-Team von Bloomberg NEF. Er führt die Analysen des Unternehmens zu den globalen Energiespeichermärkten durch und bietet Einblicke in Technologie, Märkte, Richtlinien und Vorschriften sowie die Wettbewerbslandschaft. Er überwacht auch die Analyse von Lieferketten.
 
Rolf Heynen
Heynen ist Direktor von Good! Neue Energie. Good! ist bekannt für den jährlichen niederländischen Solar Trend Report – der auch auf Englisch erscheint – das Solar Quarterly, die internationale Fachmesse Solar Solutions und die Solar Business Day Konferenz. Good! ist außerdem in den Bereichen erneuerbare Wärme, smarte Beleuchtung und Gebäude, Energiespeicherung, Beratung, Energiemodellierung und Marktforschung tätig. Heynen hat Abschlüsse als Elektroingenieur und in Politikwissenschaft.
Mark Higgins
Higgins ist COO von Strategen, einem Dienstleistungsunternehmen, das sich auf die Marktentwicklung für ein erneuerbares Stromnetz konzentriert. Zu seinen vielfältigen Erfahrungen im Energiesektor vor Strategen gehört seine Tätigkeit als Direktor Netzbereich West bei SunEdison, als Vizepräsident für Finanzen bei Hu Honua Bioenergy und als Leiter für die Bereiche Politik, Zusammenschaltung und Übertragungsplanung bei Pazifik Gas & Elektrik.

Julian Jansen

Jansen ist Forschungsleiter bei IHS Markit Technology. Er leitet die weltweite Forschung der Gruppe zu stationären Energiespeichern und bietet Einblicke zu den Triebkräften am Markt und zu neu aufkommenden Geschäftsmodellen, die die Speicherbereitstellung in Europa und Nordamerika beschleunigen. Jansen liefert auch strategische Beratung für geplante Projekte mit neuen Energietechnologien.
Florian Mayr
Mayr ist Partner bei Apricum und Leiter im Bereich Energiespeicherung, digitale Energieversorgung und umweltfreundliche Mobilität. Er ist Experte für Strategie, Geschäftsentwicklung und Transaktionsberatung in globalen Märkten für erneuerbare Energien. Mayr berät Cleantech-Unternehmen bei Unternehmens- und Projektfinanzierungen. Vor Apricum war er acht Jahre in leitenden Positionen bei McKinsey & Company und RWE tätig.

Quelle: PV-Magazin
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