Neue Forsa-Umfrage: Ja zur Energiewende – aber nicht vor der eigenen Haustür

25. Februar 2019 - 3 minutes read

Dem RTL/n-tv-Trendbarometer zufolge fordert die Hälfte der Bundesbürger einen schnelleren Kohleausstieg. Der Klimaschutz hat für die meisten Befragten aber keine allzu hohe Priorität.Die Energiewende genießt nach wie vor hohe Unterstützung – im Prinzip. Wenn es aber an die konkrete Umsetzung geht, lässt die Begeisterung der Bundesbürger deutlich nach, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und n-tv zeigt: Nur 24 Prozent der Befragten würden eine Windkraftanlage in ihrer Nachbarschaft ohne Einschränkungen akzeptieren. 43 Prozent würde diese stören, 27 Prozent würden sogar aktiv dagegen protestieren. Ähnlich verhält es sich bei neuen Stromleitungen: Auch die würden nur 30 Prozent in ihrer Nachbarschaft akzeptieren, 43 Prozent würden sie stören und 19 Prozent würden dagegen protestieren. Zur Akzeptanz von Photovoltaik-Freiflächenanlagen liegen keine Daten vor.
Damit weichen die Forsa-Zahlen erheblich von der jährlich durchgeführten Akzeptanzstudie der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) ab. Der jüngsten, im vergangenen Herbst veröffentlichen repräsentativen Umfrage zufolge würden 55 Prozent der Befragten eine Windenergieanlage in ihrer Nachbarschaft akzeptieren. Bei Photovoltaik-Anlagen sind es gar 77 Prozent. Und von denjenigen, die in der Nähe eines bereits bestehenden Solarparks leben, bewerten die Anlagen sogar 83 Prozent als positiv.
Der von der Kohlekommission vorgeschlagene Kohleausstieg bis 2038 hält die Hälfte der Befragten für zu spät. 27 Prozent finden den Termin richtig, nur für 14 Prozent kommt er zu früh. Das Thema Klimaschutz nehmen die meisten Umfrageteilnehmer allerdings nicht allzu wichtig: Für 76 Prozent sind andere Aufgaben wie etwa die Altersversorgung, die Sicherung einer guten Zukunft für Kinder und Enkel, der Abbau sozialer Schieflagen, die Integration der Zuwanderer oder die Reparatur maroder Infrastruktur von größerer Bedeutung.
„Die aktuellen Befunde bestätigen die seit vielen Jahren zu beobachtende Kluft zwischen dem hohen Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes im Bewusstsein der Menschen und ihrem tatsächlichen Verhalten“, erklärt Forsa-Chef Manfred Güllner. So wünschten sich zum Beispiel zwar viele Menschen Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Doch die dann erforderlichen höheren Preise würde kaum jemand bezahlen. „Ebenso hält man den Ausbau erneuerbarer Energien im Prinzip für wichtig – doch die dazu notwendigen Maßnahmen stoßen auf erheblichen Widerstand“.
Interessante Zahlen liefert das RTL/n-tv-Trendbarometer auch zu den Strompreisen: 78 Prozent der Bundesbürger befürchten, dass im weiteren Verlauf der Energiewende mögliche Steigerungen der Energiekosten vielen Haushalten Schwierigkeiten bereiten könnten. Nur 19 Prozent glauben, die Haushalte könnten höhere Energiepreise ohne weiteres verkraften. Dass die Wirtschaft in Deutschland höhere Energiepreise tragen könnte, meinen 37 Prozent. Insgesamt 57 Prozent der Befragten haben sich die Argumentation von Industrieverbänden zueigen gemacht: Sie gehen davon aus, dass Unternehmen Arbeitsplätze in Länder mit niedrigeren Energiekosten verlagern könnten.
Quelle: PV-Magazin
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