Netzbetreiber wollen zwei weitere Höchstspannungs-Verbindungen bauen

4. Februar 2019 - 4 minutes read

Um Strom von Nord- und Ostdeutschland in den Süden zu transportieren, halten die vier Übertragungsnetzbetreiber ihrem neuen Netzentwicklungsplan 2030 zufolge zwei weitere Gleichstrom-Trassen für erforderlich. Die Kosten für den Netzausbau steigen um fast 20 Milliarden Euro auf insgesamt 52 Milliarden Euro.Die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW haben jetzt ihre aktualisierte Fassung des „Netzentwicklungsplans 2030“ (NEP) vorgelegt. Danach müssen bis Ende des nächsten Jahrzehnts zusätzlich zu den bislang im Bundesbedarfsplan festgeschriebenen drei Gleichstrom-Verbindungen von Nord- und Ost- nach Süddeutschland in allen untersuchten Szenarien zwei weitere Leitungen gebaut werden. Das verlange der Ausbau der erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 65 Prozent am Bruttostromverbrauch sowie die Entwicklung des europäischen Stromhandels. Eine Zusammenfassung des NEP steht hier zum Download bereit.
Die Netzbetreiber beziffern das Investitionsvolumen im Hauptszenario auf insgesamt rund 52 Milliarden Euro. Bei der Vorgänger-Version des NEP aus dem Jahr 2017 gingen sie nur von 34 bis 36 Milliarden Euro aus. Vor allem die beiden zusätzlichen Verbindungen seien für die Kostensteigerung verantwortlich. Um die nötige Akzeptanz der Anwohner zu gewinnen, haben die Netzbetreiber ihrer Kalkulation eine Ausführung als Erdkabel zugrunde gelegt. Das ist deutlich teurer als der Bau von Freileitungen.
Die beiden neuen Verbindungen mit einer Kapazität von insgesamt vier Gigawatt sollen auf einer Gesamtlänge von etwa 1160 Kilometern Strom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg transportieren. Im Hauptszenario sind zudem weitere 2900 Kilometer an Netzverstärkungen im Bestand und rund 450 Kilometer an Neubau-Maßnahmen (Drehstrom und Gleichstrom) erforderlich, die noch nicht Bestandteil des Bundesbedarfsplans sind.
Den Netzbetreibern zufolge nimmt das Gefälle der Stromerzeugung innerhalb Deutschlands weiter zu. Während in Nord- und Ostdeutschland in allen Szenarien die Erzeugung die lokale Nachfrage um mehr als das Doppelte übertreffe, herrsche in Süd- und Westdeutschland ein Erzeugungsdefizit – zwischen etwa einem Viertel und der Hälfte der jährlichen Stromnachfrage müssten hier aus in- und ausländischen Importen gedeckt werden.
„Der Entwurf des Netzentwicklungsplans verdeutlicht die Dringlichkeit eines zügigen Netzausbaus“, kommentiert Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Die große Koalition hat das Ziel ausgegeben, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen statt auf 50 Prozent. Es ist vollkommen klar, dass diese Anhebung zusätzlichen Netzausbau und Netzverstärkungsmaßnahmen erfordern wird.“ Kapferer sieht die Politik in der Pflicht, die Netzbetreiber beim Ausbau zu unterstützen: „Die Politik muss sich mit aller Kraft für den erforderlichen Leitungsbau einsetzen und vor Ort um Akzeptanz werben.“
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutsche Umwelthilfe, stößt in ein ähnliches Horn. „Bundesregierung, Länder und Übertragungsnetzbetreiber müssen jetzt alle Kräfte bündeln, um den Netzausbau zu beschleunigen“, sagt Müller-Kraenner.
Der NEP basiert auf einem von der Bundesnetzagentur im vergangenen Juni genehmigten Szenariorahmen. Das von der Kohlekommission Ende Januar vorgelegte Konzept hat im NEP natürlich keinen Eingang mehr gefunden. Allerdings enthält der Szenariorahmen Annahmen zur Reduktion der Kohlekraftwerks-Leistung bis 2030, die dem Fahrplan der Kommission fast exakt entsprechen.
Bis zum 4. März 2019 können nun alle Bürger Stellungnahmen zum NEP abgeben. Diese fließen in den zweiten Entwurf des Plans ein, der dann der Bundesnetzagentur zur Prüfung übergeben wird.
Quelle: PV-Magazin
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