Lichtblick verlangt von EU-Kommission Verbot der Innogy-Übernahme durch Eon

4. Februar 2019 - 4 minutes read

Mit der Übernahme des Vertriebs- und Netzgeschäfts von Innogy wird Eon auf zwei Dritteln der Fläche Deutschland zum größten Stromanbieter. Der Marktanteil liegt in diesen Regionen bei über siebzig Prozent. Das zeigt eine von Lichtblick in Auftrag gegebene Analyse der Beratungsgesellschaft LBD.Eigentlich ist die Zeit der Monokultur bei der Stromversorgung mit der Liberalisierung des Marktes ja schon lange vorbei. Mit der Übernahme des Vertriebs- und Netzgeschäfts der RWE-Tochter Innogy durch Eon findet jedoch eine Marktbereinigung statt, die in ihrem Ergebnis an alte Zeiten erinnert: Einer Analyse der Beratungsgesellschaft LBD zufolge wird die „neue“ Eon auf zwei Drittel der Fläche Deutschlands – vor allem in Ostdeutschland, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern – zum größten Stromanbieter. In diesen Regionen liege der Marktanteil des Konzerns dann bei über siebzig Prozent. In der Regel kontrolliere die neue Eon hier auch die Stromnetze.
In Auftrag gegeben wurde diese Analyse vom Wettbewerber Lichtblick. Der Hamburger Ökostromanbieter verlangt von der EU-Kommission, den Deal zwischen Eon und RWE zu untersagen. „Die Pläne der beiden Energieriesen zielen auf ein Ende des wettbewerblichen Strommarktes in Deutschland. Leidtragende sind die Stromkunden, die mit höheren Energiepreisen rechnen müssen. Die Kartellbehörden müssen das Vorhaben stoppen“, so Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei Lichtblick. Eon baue mit der Übernahme von Innogy die renditestarken Geschäftsfelder Grundversorgung und Netzbetrieb aus. Mit den sicheren Gewinnen aus diesen Sparten könne der Konzern auch in wettbewerblichen Märkten aggressiv auftreten. Laut Lichtblick ist Eon inklusive aller strategischen Beteiligungen mit mehr als 160 Strom-Marken und 840 Strom-Tarifen am Markt präsent.
Zudem weist Lichtblick darauf hin, dass Eon nach Abschluss der Transaktion mehr als zwanzig Millionen Stromzähler kontrollieren werde. Ab 2019 müssen die Geräte wohl nach und nach durch Smart Meter ersetzt werden. In der vergangenen Woche hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seine erste Marktanalyse vorgelegt. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Smart Meter Rollout noch nicht gegeben, da erst ein Gateway zertifiziert ist. Allerdings befinden sich derzeit mehrere im Prüfprozess. Eon könne die nötigen Messdienstleistungen der LBD-Analyse zufolge wegen der Skaleneffekte rund fünfzig Prozent günstiger anbieten als der nächste Wettbewerber. Lichtblick befürchtet, dass dadurch andere Anbieter aus dem Markt gedrängt werden.
Mit dem Zugriff auf die Smart Meter sowie auf einen großen Teil der Stromnetze wird Eon zum führenden Datenkonzern der Energiewirtschaft. „Die Kundendaten sind das künftige Gold der Energiebranche. Hier werden völlig neue Geschäftsfelder entstehen. Für diesen Zukunftsmarkt schafft sich Eon mit dem Deal eine beispiellose Ausgangsposition. Eon wird den Wettbewerb schon in den Startlöchern abhängen“, so Lücking. Der Lichtblick-Chef verweist daraus, dass datenbasierte Plattformgeschäfte eine Tendenz zum Monopol hätten. Als Beispiele nennt er Amazon und Google. Diese Entwicklung drohe mit der Transaktion von RWE und Eon auch im Energiemarkt.
Eon hatte vor wenigen Tagen gemeldet, dass die Übernahme der RWE-Tochter Innogy bei der EU-Kommission angemeldet worden sei. Zuvor meldete auch RWE die Übernahme des Erneuerbaren-Geschäfts von Eon und Innogy in Brüssel an. Die Transaktion soll ab Mitte 2019 umgesetzt werden.
Quelle: PV-Magazin
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