Kohle-Kompromiss – schlecht fürs Klima

1. Februar 2019 - 6 minutes read

Der Kompromiss der Kohle-Kommission hat Vor- und Nachteile. Er ist gesellschaftspolitisch ein Fortschritt und demokratiepolitisch von Vorteil. Erstmals haben jetzt auch die Hardliner in Politik und bei den alten Energieversorgern anerkannt, dass Deutschland eine Energiewende braucht und das Kohlezeitalter zu Ende geht. Der gesellschaftliche Großkonflikt wird befriedet, der Hambacher Forst bleibt (wahrscheinlich) erhalten und der […]Der Kompromiss der Kohle-Kommission hat Vor- und Nachteile. Er ist gesellschaftspolitisch ein Fortschritt und demokratiepolitisch von Vorteil. Erstmals haben jetzt auch die Hardliner in Politik und bei den alten Energieversorgern anerkannt, dass Deutschland eine Energiewende braucht und das Kohlezeitalter zu Ende geht.
Der gesellschaftliche Großkonflikt wird befriedet, der Hambacher Forst bleibt (wahrscheinlich) erhalten und der Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle ist geschafft. Doch dieser Konsens ist klimapolitisch ein Nonsens.
Klimapolitisch ist der Beschluss, bis 2038 aus der Kohle auszusteigen eine Katastrophe
Das hieß nämlich: Noch 20 Jahre Energieversorgung mit dem schlimmsten Klimakiller, 20 Jahre Dörfer abbackern, Kirchen abreißen, Menschen umsiedeln und sie ihrer Heimat berauben. Eine Kultur-Barbarei ohnegleichen – wie sie von RWE bisher praktiziert wurde und auch weiterhin vorgesehen war.
Der Erfolg der erneuerbaren Energien im Strombereich seit dem Jahr 2.000 hat gezeigt wie erfolgreich und schnell und mit vielen neuen Jobs die solare Energiewende organisiert werden kann. Damals hatten wir in Deutschland fünf Prozent Ökostrom, heute bereits 40%.
Alle wissen, dass die Kohle ein Auslaufmodell ist – warum dann noch 20 Jahre auf den kompletten Ausstieg warten, wenn er auch in zehn Jahren, also bis 2028, möglich wäre? Oder wenigstens bis 2030 wie es die Umweltverbände fordern?
Mein Vorschlag: Jetzt muss die Gesellschaft für einen raschen Ausstieg kämpfen, Schüler und Studenten und alle Umweltverbände müssen sich genau dafür einsetzen. Wir schaffen das zusammen so wie wir auch den Einstieg geschafft haben.
Also: Nachverhandeln, nachverhandeln, nachverhandeln
Unser bester Verbündeter ist der Preis für die Erneuerbaren. Sie werden in den nächsten Jahren immer billiger, weil Sonne und Wind bekanntlich keine Rechnung schicken. Darin liegt jetzt unsere große Chance. Solar- und Windenergien sind bereits heute in 70 Ländern preiswerter als Kohle- und Atomstrom. Sie schützen außerdem das Klima und schaffen weit mehr Jobs als in der alten Kohlewirtschaft verloren gehen.
Warum müssen wir kämpfen?
Wir müssen diesen Kampf im Auftrag unserer Kinder und Enkel führen. Sie werden uns sonst verfluchen. Die Schüler- und Studentenproteste für ein besseres Klima an jedem Freitag zeigen uns, worum es jetzt wirklich geht.
Die 16-jährige behinderte schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg klagt die Eliten der Welt wegen der Klimaerhitzung an. Und Tausende Schüler in der ganzen Welt folgen ihr jetzt. Beim Weltwirtschafts-Forum in Davos erklärte sie, worum es nun wirklich geht: „Wollt ihr ein gutes Klima für alle oder noch mehr Geld für wenige?“
Der Weckruf der jungen Klima-Aktivisten breitet sich in immer mehr Ländern aus: Opfert nicht unsere Zivilisation für eure Gier!
Wenn die Alt-Parteien CDU, CSU, FDP und SPD den Weckruf der Jungen nicht hören wollen, müssen wir sie bei allen nächsten Wahlen abstrafen so wie das die Wähler und Wählerinnen bereits 2018 getan haben. Nur noch viel deutlicher.
Auf den Misthaufen der Geschichte mit den Schwerhörigen, die noch immer nur Geld und Gier und Gunstwirtschaft verstehen. In einer Demokratie heißt das: abwählen, abwählen, abwählen!
Protestiert, demonstriert, empört euch! Solange bis wir ein deutlich früheres Ausstiegs-Datum für die Kohle haben.
2038 werde ich hundert Jahre alt. Das ist entschieden zu spät. Als Sohn eines Kohlenhändlers will ich noch das Ende der Kohleverbrennung in Deutschland erleben.
Nur mit den Grünen in den nächsten Bundesregierungen, egal ob grün-rot oder grün-schwarz, kann und wird es einen Kohleausstieg vor 2030 geben können.
Die Jungen kämpfen für eine grüne, erneuerbare und nachhaltige Zukunft ohne Kohle so rasch wie möglich. Unterstützen wir sie dabei.
— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —
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Quelle: PV-Magazin
Link: Kohle-Kompromiss – schlecht fürs Klima

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